Bundesparteitag 2026: Unsere 12 Anträge
Am 07. März findet der diesjährige SPÖ-Bundesparteitag in Wien statt. Auch wir als Sektion Acht sind vertreten. Weil wir eine SPÖ wollen, die nicht nur über Personen, sondern vor allem über Positionen diskutiert, haben wir insgesamt zwölf inhaltliche Anträge gestellt. Damit ist jeder zehnte Antrag, der beim Parteitag behandelt wird, in der Sektion Acht entstanden. Hier kannst du nachlesen, was wir fordern und warum.
Personen mit Long Covid leiden ua. unter extremer Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Schwächeanfällen. Auch in der Schule ist das ein Problem. Eine sozialdemokratische Bildungspolitik muss die Teilhabe jedes Kindes am Bildungssystem sicherstellen – unabhängig von gesundheitlichen Einschränkungen.
Forderungen:
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Aufklärung über Long Covid in der Schule durch Ausarbeitung und Verbreitung von Informationsmaterialien an Lehrkräfte und Schulpersonal
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Schaffung eines umfassenden Schulungs- und Fortbildungsangebotes für Long Covid bei Kindern und Jugendlichen für Lehrkräfte
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Einsetzung eines Expert:innengremiums zur Förderung von Schüler:innen mit Long Covid und anderen chronischen Krankheiten und Möglichkeiten zur Flexibilisierung der Anwesenheit
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Empfehlung der Antragskommission: Annahme
Während im allgemeinen Arbeitsrecht die Aneinanderreihung von befristeten Arbeitsverträgen (sogenannte “Kettenverträge”) verboten sind, bestehen für Universitäten hier Ausnahmen. Die Dauer solcher Kettenverträge ist jedoch auch im universitären Bereich begrenzt. Diese Begrenzungen wurden mit der Universitätsgesetz-Novelle 2021 noch weiter verschärft. Während es bisher möglich war, zwischen verschiedenen staatlichen Universitäten zu wechseln, um dann schließlich die Anstellung an seiner Stamminstitution fortzufahren, ist dies nun nicht mehr möglich.
Forderungen:
- Streichung der Ausnahmen für Kettenverträge aus §109 UG
- Ende der stetigen Erhöhung des Drittmittel-Anteils als “Leistungskriterium” in den Leistungsvereinbarungen, stattdessen ausreichende Globalbudget-Mittel bereitstellen
- Verpflichtende Quoten unbefristeter Anstellungen nach OECD-Empfehlung “Reducing the precarity of academic research careers
- Personalentwicklungspläne für alle Universitätsangestellten, inklusive Drittmittelbediensteten.
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Empfehlung der Antragskommission: Annahme
Mütter bleiben nach der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 416 Tage zu Hause, Männer nur neun. Dieses Ergebnis einer neuen Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zeigt, dass wir bei der Elternkarenz noch weit von einer gerechten Aufteilung entfernt sind. Ein Blick auf die existierenden Anreize für eine faire Aufteilung in Österreich zeigt, dass diese in der Praxis zu keiner Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen führen. Nur durch klare gesetzliche Vorgaben wird erreicht, dass Verantwortung und Chancen zwischen Männern und Frauen wirklich fair geteilt werden. Wir wollen eine Reform der Elternkarenz mit dem Ziel, sowohl Gleichstellung als auch kindgerechte Familienpolitik zu fördern.
Forderungen:
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Maximal 20% der jeweiligen Karenzzeit pro Elternteil soll auf den anderen Elternteil übertragbar sein. Nimmt ein Elternteil weniger als 80% seiner zugeteilten Elternzeit in Anspruch, verfällt der Rest
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Keine Nachteile, wenn beide Elternteile ihre Mindeszeit in Anspruch nehmen
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Berechnungsmodell, in dem die Eltern nicht unter einen gewissen Prozentsatz des Durchschnittseinkommens des Paares fallen können
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Anspruch auf Kindergarten ab 1. Lebensjahr
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Sonderregelungen für Alleinerziehende
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Empfehlung der Antragskommission: Annahme
Die Klimakrise erfordert unmittelbares Handeln. Sie bedroht die Menschheit und die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten und ihr muss eine entsprechend hohe Priorität im politischen Handeln eingeräumt werden. Grundlage einer sozialdemokratischen Vision von Umweltpolitik als gesamtgesellschaftlicher Herausforderung muss eine entsprechende Würdigung der sozialen Dimension der Klimakrise und anderer ökologischer Krisen sein.
Forderungen:
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Bekenntnis zu Pariser- und EU-Klimazielen und zum gewaltfreien Einsatz für diese Ziele
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Grüne Industriepolitik und Transformation der Arbeitswelt („Green New Deal“)
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Für eine sozialdemokratische, klimagerechte CO2-Bepreisung
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Klimafreundliche statt klimaschädlicher Subventionen
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Werbeverbot für klimaschädliche Güter und deren Diensteanbieter
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Ausbau erneuerbarer Energien erleichtern
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Infrastruktur für klimafreundliche Mobilität ausbauen (insbesondere am Land)
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Mutige Regulierung im Verkehrsbereich
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Für eine ökologische Wärmewende
- Boden entsiegeln und Zersiedelung einbremsen
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Empfehlung der Antragskommission: Zuweisung an Bundesparteivorstand
Die Transformation der Industrie – weg von kohlenstofflastigen Feldern hin zu klimafreundlichen Technologien wie Elektromobilität, Photovoltaik und Windkraft - ist inzwischen weit fortgeschritten. Sie findet
statt, unabhängig davon, ob wir dies möchten oder nicht. Aus unserer Sicht muss progressive Industriepolitik jedoch sicherstellen, dass diese sozial und klimagerecht stattfindet.
Forderungen:
- Transformation zur klimafreundlichen „Clean Industry“, um den Industriestandort zu stärken und hochqualitative Arbeitsplätze zu erhalten und auszubauen
- Massiver Ausbau von Windenergie zur Versorgung der Bevölkerung mit nachhaltiger und leistbarer Energie
- Weiterentwicklung bestehender Industriecluster in Richtung „Clean Industry“ und Kreislaufwirtschaft, um Stärken (etwa im Bereich Bahnindustrie, Recycling, Komponenten für Geothermie, Solar- und Windenergie) auszubauen und entstehende Schwächen (etwa im Automobilbereich) abzufedern
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Empfehlung der Antragskommission: Annahme
Die durch die Klimakrise notwendigen Umstellungen von Industrie und Produktion werden ohne Zweifel gewaltige Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Wirtschaftsstandort haben. Als Sozialdemokrat:innen wissen wir aus unserer Geschichte: Solche Umwälzungen können sowohl zum Schaden als auch zum Nutzen für die arbeitenden Menschen verlaufen. Es liegt an uns, sie so zu gestalten, dass diese Transformation im Sinne der arbeitenden Menschen genutzt wird.
Forderungen:
- Umgestaltung klimaschädlicher Subventionen und Ersatz durch klimasoziale Instrumente
- Umsetzung einer Industrie- und Arbeitsmarktpolitik, die im Rahmen eines Green New Deals Arbeitsplätze schafft und sichert
- Weiterentwicklung von Instrumenten wie der EU-Taxonomie,
dem europäischen Lieferkettengesetz und der CO2-Ausgleichszölle
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Empfehlung der Antragskommission: Annahme
Durch die Globalisierung und den Klimawandel breiten sich immer mehr Neophyten in Österreich aus - also Pflanzen, die seit 1492 zu uns kamen. Während Neophyten an sich „normal“ sind und oft nützlich, sind „invasive“ Neophyten ein echtes Problem für Naturschutz und Artenvielfalt. Invasiv sind sie deshalb, weil sie sich besonders erfolgreich ausbreiten, oft ohne Fressfeinde, vom Klima begünstigt, und heimische Arten im großen Stil verdrängen.
Forderungen:
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Erarbeitung einer Schwarzen Liste, die Inverkehrsbringen von invasiven Neophyten verbietet
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Aktionspläne für pflegerische Maßnahmen an bereits betroffenen Standorten in allen Bundesländern
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Kennzeichnungspflicht beim Verkauf von Pflanzen (nützliche heimische Art oder Neophyt)
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Empfehlung der Antragskommission: Annahme
Österreich zählt zu den europäischen Spitzenreitern im Bodenverbrauch. Täglich werden bis zu 18 Fußballfelder Boden versiegelt und verbaut. 72.000 Hektar Boden wurden in den letzten 2 Jahrzehnten verbaut. Die beiden Nachkriegsgenerationen haben mehr Boden verbraucht als alle anderen Generationen davor. Die Folgen sind mitunter katastrophal.
Forderungen:
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14 Maßnahmen als Gesamtstrategie gegen Bodenversiegelung
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Empfehlung der Antragskommission: Zuweisung an Bundesparteivorstand
Mobilität ist ein gesellschaftliches Grundbedürfnis. Hinsichtlich Klimaschutz stellt der Verkehr derzeit einen der größten Problembereiche dar. Dem Individualverkehr kommt bei der Erfüllung der Klimaziele eine Schlüsselrolle zu: Rund 60 % der Verkehrsemissionen verursachen PKWs. 60 % davon werden in Regionen mit unzureichendem Angebot an Öffentlichen Verkehrsmitteln emittiert. Ein flächendeckendes Mobilitätsangebot fehlt in vielen Regionen Österreichs.
Forderungen:
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Ausbau der Infrastruktur für klimafreundliche Mobilität
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Mobilitätsgarantie: Zwischen 5:00 und 24:00 Uhr mindestens eine Halbstundentaktung in jeder Gemeinde sowie Aufbau eines dekarbonisierten Busnetzes
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Für die Letzte Meile: Car-Sharing-Systemen, Sammeltaxis, E-Bikes und Verleihsysteme sowie umfassender Ausbau von Rad- und Gehwegen
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Empfehlung der Antragskommission: Annahme
Das Pendlerpauschale weist eine besondere soziale Schieflage auf: Die Hälfte der ärmsten 20 % der Haushalte in Österreich hat kein Auto, 55 % des Pendlerpauschale gehen an die reichsten 40 %. All diese Maßnahmen weisen keinerlei soziale Treffsicherheit auf, und setzen keinen Anreiz für klimafreundliche Mobilität. Im Gegenteil: Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs in einer Landgemeinde kann sogar zum Verlust des großen Pendlerpauschale führen, und wird so entsprechend unpopulär gemacht. Um das legitime Ziel der Förderung von Mobilität für jene, die es brauchen, mit den dringend notwendigen Anreizen für klimafreundliches Verhalten zu verbinden, bedarf es einer radikalen Umgestaltung der Mobilitätsförderungen.
Forderungen:
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Mobilitätsförderung darf in Zeiten der Budgetkonsolidierung nur sozial gerecht erfolgen
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Umgestaltung der derzeitigen Mobilitätsförderungen (insb. Pendlerpauschale) nach den Modellen von Arbeiterkammer und Umweltbundesamt: Umwandlung von Freibetrag in Absetzbetrag, Ökologisierung
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Maßnahmen müssen von einem deutlichen Ausbau klimafreundlicher Mobilität, insbesondere am Land, flankiert werden
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Empfehlung der Antragskommission: Annahme
Aktuell versucht die stimmenstärkste Partei Österreichs wie ihr Vorbild auf der anderen Seite des großen Teiches den Begriff “Antifa” zu reframen, also in einen neuen Rahmen zu setzen, ihm eine neue Bedeutung zu verleihen. Wahr ist, dass der Begriff “Antifa” im Allgemeinen als Vereinigung demokratisch gesinnter Menschen ohne parteipolitischen Hintergrund, die sich faschistischen Tendenzen in einem Land entgegenstellt, verstanden wird.
Forderungen:
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SPÖ als antifaschistisches Bollwerk stellt sich der Verschiebung des politischen Diskurses nach Rechtsaußen weiterhin klar entgegen
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Das beabsichtigte Reframing des Antifaschismus-Begriffs durch antidemokratische Akteur:innen wird von der SPÖ als Problem erkannt und entschieden bekämpft
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Faschistische Tendenzen in der politischen Kommunikation werden “beim Namen genannt”
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Empfehlung der Antragskommission: Annahme
Wer sich von fossilen Energieträgern abhängig macht, macht sich von menschenrechtsfeindlichen Regimen abhängig. Viele unserer Handelspartner bei Öl und Gas begehen zahlreiche Menschenrechtsverletzungen u.a. gegen Oppositionelle, Frauen* und ethnische sowie sexuelle Minderheiten und sind aktiv in blutige internationale Konflikte involviert. Unsere Geldflüsse stabilisieren und stärken diese Regime, die unsere freiheitliche Grundordnung verachten oder sogar bewusst untergraben. Während rechte Hetzer zwar so tun, als wäre ihnen das Sicherheitsthema ein Anliegen, ignorieren sie diese entscheidenden Zusammenhänge. Wir wissen jedoch: Es kann nicht Einsatz für Sicherheit oder für das Klima heißen, es geht beides nur gemeinsam.
Forderungen:
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Einsatz für Klimapolitik wird von der SPÖ als Bestandteil aktiver Friedensund Sicherheitspolitik verstanden
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Diversifizierung von Lieferketten bei “kritischen Mineralien”, sichere Rohstoffnutzung in Europa und strategische Investitionen in europäische Produktionsstandorte „grüner“ Technologie
Hier geht's zum ganzen Antrag!
Empfehlung der Antragskommission: Annahme