Der Kredit und das Sparen

Am 8. Mai kommt Fabian Lindner, Mitarbeiter am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, sowie Blogger am Wirtschaftsblog „Herdentrieb“ der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ nach Wien und hält am Abend einen Vortrag bei der Sektion 8. Lindner setzt sich mit der Beziehung zwischen Kreditaufnahme und Sparen, sowie den fundamentalen wirtschaftspolitischen Implikationen der Sparideologie auseinander. Dabei geht es ihm weniger um die bekannte Kritik an der Austeritätspolitik, sondern vielmehr um die tiefenökonomischen Zusammenhänge. Die Veranstaltung beginnt um 19:00 im Café Winter (Alserstr. 30) und verspricht Fragen aufzuwerfen, die weit über die alltagspolitische Diskussion hinaus gehen.

 

In Europa wird das Sparen, vor allem das Sparen der Staaten, zum Allheilmittel für die Wirtschaftsschwäche der Krisenstaaten angepriesen. Von einer historisch einmaligen Rezession, Rekordarbeitslosigkeit und Elend inmitten Europas lassen sich die Sparideologen nicht von ihrer Heilslehre abbringen.

Hinter der Sparpolitik steckt aber nicht nur Ideologie, sondern auch ökonomische Theorie, die bis weit hinein selbst in den linken Mainstream der Wirtschaftswissenschaft ragt – nämlich die Theorie, dass das Sparen zu mehr Kredit in der Wirtschaft führt. Wo mehr gespart würde, würden durch ein höheres Kreditangebot die Zinsen sinken, damit die Investitionen angeregt werden und was an Konsum durch das Sparen wegfällt durch höhere Investitionen kompensiert werden.

Diese Theorie – die sogenannte „Sparfonds“-Theorie ist nicht neu. Sie galt schon den Sparapologeten in der Weimarer Republik als Anleitung für die Wirtschaftspolitik – mit den gleichen Folgen, die wir heute in Europa sehen können.

Ein Blick in die echte Welt zeigt indes, dass Sparen und Kreditvergabe in keiner Weise ident sind. Der Kredit braucht das Sparen nicht, das Sparen aber oft den Kredit.  Der Kredit kommt über einen einfachen Buchungsvorgang in die Welt, sozusagen aus dem Nichts (auch wenn die Schuld, die der Kredit gebiert, sich nicht wieder so leicht davon macht…). Dem Kredit setzt allein die Menge des  Vertrauens Grenzen, dass der Kreditnehmer seinen Kredit auch bedienen wird.

Das Sparen ist etwas ganz anderes, und zwar die Erhöhung von Vermögen, sowohl von Sach- als auch von Finanzvermögen. Wer sein Finanzvermögen erhöhen will (oder seine Schulden senken), muss weniger ausgeben als er einnimmt. Wer weniger ausgibt als er einnimmt, kürzt jemand anderem automatisch dessen Einnahmen – denn auf dieser Welt gibt es keine Einnahmen, die nicht eines anderen Ausgaben sind.

Wenn also alle ihre Schulden abbauen oder ihr Finanzvermögen aufbauen wollen, wird niemand sein Ziel erreichen, die Ausgaben und notwendig die Einnahmen werden aber ins Bodenlose fallen. Man ahnt, dieser Mechanismus spielt nicht nur, wenn die Staaten ihre Ausgaben zur Schuldenreduktion senken, sondern auch wenn die privaten Haushalte mehr privat für die Rente vorsorgen müssen.

Der Vortrag findet am 8. Mai ab 19:00 im Café Winter (Alserstr. 30) statt und soll Licht ins Dunkel von Sparen und Kredit bringen und daraus die politischen Schlussfolgerungen ziehen.