„Besonders wichtig ist mir leistbares Wohnen“

Bezirksvorsteherin Martina Malyar steht Oliver Zwicklsdorfer im Interview Rede und Antwort. Sie spricht über ihre Bilanz im Bezirk, über ihre Vorhaben in den kommenden Jahren sowie über ihre Forderung, wieder in den Bau von Gemeindewohnungen zu investieren.

[highlight]Die Grünen sind in den letzten Jahren zu einem ernsthaften Konkurrenten in den Bezirken innerhalb des Gürtels geworden. Der Neubau und die Josefstadt werden sogar schon grün regiert. Welches Angebot kann die Sozialdemokratie im Alsergrund an jene Wählerinnen und Wähler machen, die zu Grün tendieren? Wie kannst du diese WählerInnen überzeugen?[/highlight]

Die Roten sind die besseren Grünen.

[highlight]Inwiefern?[/highlight]

Handschlagqualität, beste Kontakte zum Rathaus und herzhaftes Engagement für die Umwelt mit sozialem Gewissen machen uns dazu. Verlässlichkeit und Kontinuität statt Chaotenpolitik.

[highlight]Das heißt konkret?[/highlight]

Wir sind in unserer Arbeit voll und ganz für die BürgerInnen da, weil wir unsere Energien nicht auf interne  Streitereien und Machtkämpfe richten (müssen). Wir haben auf meine Initiative hin ein Klimaschutzprogramm beschlossen, ich habe einen eigenen Klimaschutzbeauftragten in der Bezirksvertretung installiert.

[highlight]Merken die Menschen, dass der SPÖ Alsergrund Umweltfragen am Herzen liegen?[/highlight]

Ich überzeuge die WählerInnen durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit durch die Bezirksvorstehung und die SPÖ9, über neue Medien und Soziale Netzwerke und – am wichtigsten – durch persönliche Gespräche.

[highlight]Welche politischen Schwerpunkte willst du in den kommenden fünf Jahren in der Bezirkspolitik setzen, wenn du als Bezirksvorsteherin wiedergewählt wirst?[/highlight]

Was ich nach der Wahl vorhabe kann ich ganz konkret sagen: Die Schaffung von drei neuen Parks, dem Generationenpark Rossau (wurde bereits eröffnet Anmk.) der Poliklinikpark und der Helene-Deutsch-Park. Ich möchte eine Ganztagsschule im Bezirk mit Ferienbetreuung, sowie ein Verbot weiterer Glücksspielautomaten und Wettbüros. Ich habe vor den gesamten Bereich Franz-Josefs-Bahnhof bis zur Wirtschaftsuni völlig neu zu planen, mit Bürgerbeteiligung (hat bereits begonnen Anmk.).

[highlight]Bleiben wir einmal beim Thema Wirtschaftsuniversität. Das Gelände wird nach der Verlegung der WU in den Prater völlig neu gestaltet werden. Welche Pläne hast du für die Umgestaltung und in welchem Zeitraum soll das Projekt umgesetzt werden?[/highlight]

Eine Bürgerbeteiligung formuliert die Ziele für einen neuen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für das Areal; ich hätte dort gerne ebenerdige Durchgänge zwischen Lichtental und Spittelau, einen Rad- und einen eigenen Fußgängersteg vom neunten in den zwanzigsten Bezirk, einen Bildungscampus, Geschäfte, Erholungszonen und gut nutzbare öffentliche Freiräume. Wir sprechen da von einem Zeitraum ab dem Jahr 2013 bis etwa 2025.

 [highlight]Womit können wir sonst noch rechnen, wenn Martina Malyar weitere fünf Jahre der Bezirksvertretung vorsteht?[/highlight]

Ich werde die lokale Agenda PLUS als Dauerinstitution weiterführen und möchte eine Erweiterung der Jugendmitbestimmung, etwa die Schaffung einer Kinderbezirksvertretung. Besonders wichtig ist mir leistbares Wohnen für schmälere Brieftaschen. Überdies setze ich mich ein für einen Radweg auf der Währingerstraße und eine Haltestelle Sensengasse. Am Donaukanal möchte ich neue Ermöglichungsräume schaffen und den Universitätsbezirk Alsergrund fördern.

[highlight]Auf das Thema Wohnen möchte ich etwas genauer eingehen. Der Alsergrund hat sich in den letzten Jahren zu einem der attraktivsten Bezirke in Wien entwickelt. Für viele wird es aber immer schwieriger, für die Wohnkosten aufzukommen. Welche Maßnahmen hältst du für sinnvoll, um das Wohnen besonders für junge Menschen leistbarer zu machen? [/highlight]

Nicht nur junge Menschen können sich die hohen Mieten kaum leisten, alle Altersgruppen sind betroffen. Die marktorientierten Miet- und Kaufpreise sind kapitalistischer Ausdruck, wie lebenswert der Alsergrund geworden ist. Ich würde Wiener Wohnen jene Mittel zur Verfügung stellen, die notwendig sind, um Gemeindewohnungen im 9ten errichten zu können. Soziale Durchmischung ist für sozialen Frieden, Respekt, Verständnis und Rücksichtnahme sehr wichtig. Das sollte uns als SPÖ auch finanziell und juristisch etwas Wert sein!

[highlight]Du stehst seit mittlerweile sieben Jahren an der Spitze des Bezirks. Was würdest du als deinen größten politischen Erfolg bezeichnen und welches Projekt lag dir besonders am Herzen?[/highlight]

Die Öffnung des Liechtensteinparks für die Öffentlichkeit, die Bürgerbeteiligung ohne Sprach-, Geschlechts- und Altersgrenzen, Nahversorgung für die Belebung der Nußdorferstraße, Wirtschaftsimpulse durch den von mir geschaffenen Alsergrunder Wirtschaftspreis, die Erhöhung des Bezirkskulturbudgets um 100%, die Rettung vom Babykino im Votivkino und von zwei Theatern im Bezirk (Experiment und Schuberttheater), das Schulsanierungspaket haben wir durchgesetzt. Die Initiierung des SAM Projekts am Franz Josefsbahnhof liegt mir besonders am Herzen, genauso wie das Integrationshaus Nußdorferstraße, bei dessen Entstehung ich damals als Klubvorsitzende der SPÖ in der Bezirksvertretung maßgeblich mitbeteiligt war!

[highlight]Zum Thema Armut und dem Projekt SAM. Die ÖVP-Bezirkschefin der Inneren Stadt, Ursula Stenzel, setzt sich lautstark dafür ein, Obdachlose und Bettler aus ihrem Bezirk mit allen Mitteln zu vertrieben. Der Julius-Tandler-Platz scheint ein sozialer Brennpunkt in unserem Bezirk zu sein. Wie geht eine sozialdemokratische Bezirksvorsteherin mit sichtbarer Armut um?[/highlight]

Betreuen und Helfen, mit den Betroffenen Auswege aus der Armut und dem Leben auf der Straße finden. Denn das soziale Netz ist in Wien engmaschig! Am Franz Josefsbahnhof haben wir mit der Stadt das Projekt SAM initiiert, eine Sozialbetreuung für Obdachlose sowie Mediation vor Ort. Auch der Zugang zur Information bringt Vieles weiter! Von der Bundespolitik erwarte ich eine bessere Prävention durch die Mindestsicherung, die meiner Auffassung nach 14 Mal pro Jahr ausgezahlt werden sollte.

[highlight]Die FPÖ setzt auch in diesem Wahlkampf wieder auf rassistische Ressentiments. Was sollte die SPÖ deiner Meinung nach tun, damit ihre Argumente nicht auf fruchtbaren Boden fallen?[/highlight]

Wehret den Anfängen mit jeder Körperfaser jedes Funktionärs und jeder Funktionärin VOR-LEBEN!